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Vom berühmten Zoigl bis zu den gefürchteten "Hankerln": 140 Teilnehmer
erlebten am Freitagabend eine Reise durch die Geschichte der Stadt. Die Organisation der
historischen Stadtführung hatte der Arbeitskreis Heimatpflege unter Führung von Werner
Männer und Erhard Sommer übernommen.
Zum Auftakt der rund 90-minütigen Führung betonte Werner Männer, dass
Mitterteich noch vor dem Kloster Waldsassen gegründet worden sein müsse und später
Schauplatz des 30-jährigen Krieges war. Wegen der Brandschatzungen in den Wirren dieses
Krieges seien historische Gebäude kaum mehr zu finden.
Als "größte Freiheit" der damaligen Bürgerschaft bezeichnete Männer das
noch heute gültige Recht zum Bierbrauen: "Zoiglbierstuben haben hier eine lange Tradition."
Nach der kurzen Einführung ging es zur Stadtpfarrkirche, die dem heiligen Jakob und der
Mutter Anna gewidmet ist. Erhard Sommer erläuterte, dass die derzeitige Kirche 1890 erbaut
wurde und bereits die dritte Kirche in der Stadt ist. Vor der Erlangung der
Selbstständigkeit hätten die Mitterteicher Gläubigen zur Pfarrei Leonberg gehört. "Das
Kircheninnere selbst zeigt das Zentralgeheimnis des christlichen Glaubens", sagte Sommer
und verriet, dass der frühere Hochaltar mittlerweile in Plößberg zu finden sei.
"Türmer" hat keine Zeit
Die nächsten Stationen waren die 1896 errichtete Mariensäule und der
Kirchturm, der vor 401 Jahren erbaut wurde. Dort wartete der "Türmer" Anton Zeitler und
bemerkte, dass er leider nicht viel Zeit habe - seine Frau sei schließlich krank und ein
gewisser Wolfgang von Goethe hätte sich angemeldet. Die Besucher lernten, das der Türmer
stets über de Stadt wachte und bei Gefahr die Glocken läuten musste.
Vor dem Historischen Rathaus aus dem Jahr 1731 führte Sommer aus, dass
es sich bei dem Gebäude um eines der älteste in der Stadt handelt. Früher war hier die
Steuerstelle untergebracht. "Wenn die Steuerglocke läutete, wussten die Bürger, dass sie
ihre Steuern zu bezahlen hatten", erzählte Sommer. Am Oberen Marktplatz traf die Gruppe auf
einen Gesandten, der auf die Ankunft von Goethe wartete. Schließlich erreichten die
Teilnehmer den "Hankerlbrunnen", wo sechs kleine "Hankerl" versammelt waren.
Laut Sommer hatten die Menschen früher Angst vor den ursprünglich aus
Venetien stammenden "Hankerln", obwohl diese hilfreich gewesen seien. Nach einer Sage waren
sie fleißige Leute, die für sauberes Trinkwasser sorgten - daran erinnert noch heute der
Schmiedbrunnen am Unteren Marktplatz.
Wiederholung am 28. Juli
Die letzten Stationen waren der Brauer an der Hungersäule - wo Bettler
auf die Gäste warteten - das Glockenspiel an der Volksbank und das Kommunbrauhaus. Am Ende
teilte Werner Männer mit, dass die historische Stadtführung wegen der großen Nachfrage am
Samstag, 28. Juli, wiederholt wird.
Quelle: DER NEUE TAG, 11.06.2007
Text u. Bild: Josef Rosner
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