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Feiern im Schatten des Turmes

"Dieses Jubiläum wird als eines der bedeutendsten in die Geschichte der Stadt eingehen", zeigte sich Bürgermeister Roland Grillmeier überzeugt. Mit einem Festakt im Rathaussaal eröffnete das Stadtoberhaupt am Samstag die Feierlichkeiten zum 400-jährigen Bestehen des Mitterteicher Kirchturms

"Dieses Fest ist das Werk vieler engagierter Menschen", betonte der Bürgermeister und dankte im besonderen dem Arbeitskreis Heimatpflege mit Werner Männer und Erhard Sommer an der Spitze. Seinen Dank richtete er auch an die Schulen und Kindergärten der Stadt, die mit einer großen Ausstellung und weiteren Beiträgen das Fest bereichert hätten. Im Rathaussaal eröffnete Grillmeier anschließend eine Ausstellung der Hauptschule zur Geschichte der Stadt von 1606 bis zur Gegenwart.

Sinnbild der Stadt

Landrat Karl Haberkorn freute sich über das Geschichtsbewusstsein der Stadt, das in den vergangenen Jahren mit Hilfe des Arbeitskreises Heimatpflege enorm gewachsen sei. Den Kirchturm bezeichnete er als ein Sinnbild der Stadt. Werner Männer verhehlte nicht seinen Stolz über die vollbrachten Leistungen: "Wir mussten viel Kritik einstecken, aber unsere Ideen fielen auf fruchtbaren Boden." Es sei gelungen, ein Fest für alle Mitterteicher auf die Beine zu stellen.

Nach dem offiziellen Termin eröffnete Bürgermeister Roland Grillmeier das Festwochenende. Gekonnt zapfte er mit drei wuchtigen Schlägen das erste Fass "Türmertrunk" an, der eigens für das Fest eingebraut worden war. Sein erstes Prosit galt entsprechend der Stadt und der Kirche. Der späte Nachmittag stand ganz im Zeichen eines ökumenischen Gottesdienstes. "Der Kirchturm begleitete uns durch die Jahrhunderte, für Christen beider Konfessionen ist er ein Sinnbild des Glaubens", bemerkte Stadtpfarrer Siegfried Richter.

Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst von einem vierzigköpfigen evangelischen Posaunenchor, unter der Leitung von Jutta Mayer. Pfarrerin Sonja Schobel betonte, dass das 400 Jahre alte Bauwerk die Menschen beider christlichen Kirchen verbinde: "Wir feiern im Schatten des mächtigen Turmes, der zu Zeiten erbaut wurde, als Mitterteich noch überwiegend evangelisch war."

Theater in Mundart

Nach dem Gottesdienst spielten rund 25 Kinder aus der Grundschule in stiftländer Mundart Szenen aus dem Leben des letzten Türmers Anton Zeitler nach. Dabei wurde deutlich, dass auch schon damals der "Zoigl" ein wichtiges "Lebensmittel" für die Mitterteicher war. Auf großes Interesse stieß die Vorstellung der sechs Mitterteicher Kirchenglocken durch Erhard Sommer. Die Festbesucher erfuhren, dass die größte Glocke - die "Gott-Vater-Glocke" - 53,8 Zentner schwer ist und schon seit 60 Jahren zu großen Festen einlade. Höhepunkt war das gemeinsame Läuten aller sechs Kirchenglocken.

Bierorchester zieht umher

Bis zum Abend sollte sich der Marktplatz immer mehr füllen und freie Tische waren bald Mangelware, als bei herrlichem Sommerwetter das "Freie Fränkische Bierorchester" aufspielte. Die sechs Männer und Frauen standen keinesfalls auf einer Bühne, sondern zogen singend und musizierend über das Festgelände.

Auch der später aufkommende Wind konnte die ausgelassene Feierstimmung nicht erschüttern - dafür sorgte nicht zuletzt das reichhaltige kulinarische Angebot. Aufsehen erregten schließlich die "Hohenberger Ritter", welche - ausgestattet mit Fackeln - die Besucher mit einem historischen "Leichenzug" überraschten.

Zur mitternächtlicher Stunde am Sonntagabend waren Werner Männer und Erhard Sommer mächtig stolz: Die beiden Hauptorganisatoren des Kirchturmfestes zogen ein begeisterndes Resümee. Tausende von Besuchern feierten ein Fest, dass es in der Region lange nicht mehr gegeben hatte.

Zum zweiten Mal binnen weniger Wochen, nach dem Halbfinalspiel Deutschland gegen Italien, verwandelte sich der Kirchplatz in eine riesige Festarena. Diesmal standen nicht die schwarz-rot-goldenen Fahnen im Mittelpunkt, sondern die gute Laune, fröhliche Ausgelassenheit und der süffige "Türmertrunk".

Den Sonntagmorgen eröffneten die Böllerschützen der Königlich-Privilegierten Schützengesellschaft, die mit mehreren Schüssen die Mitterteicher aus ihrem Schlaf holten. Angeführt vom Erbendorfer Spielmannszug bewegte sich ein stattlicher Kirchenzug zur Stadtpfarrkirche St. Jakob.

Fröhliches Miteinander

Stadtpfarrer Siegfried Richter bezeichnete das Gotteshaus und den Kirchturm in seiner Predigt ein Zeichen des Glaubens in der Stadt. Der Kirchenchor unter Leitung von Matthias Schraml, hatte dazu eigens eine historische Messe einstudiert. Nach der "segensreichen Stärkung" stand das fröhliche Miteinander am Kirchplatz im Mittelpunkt des Geschehens. Die Veranstalter sorgten mit einem abwechslungsreichen und bunten Programm für viele Höhepunkte.

Groß war die Auswahl zum Mittagstisch. Der Handwerkermarkt zeigte Einblicke in die Arbeit dieses Standes in den vergangenen Jahrhunderten. Da wurde gedrechselt, gesägt, geschmiedet, oder auch gesungen und musiziert. Am Abend gaben "Blech on the Rocks" ein umjubeltes Gastspiel vor großer Kulisse, ehe die Feuershow einer Gruppe aus dem tschechischen Tachov für großes Aufsehen sorgte - ein einzigartiges Spektakel, mit hübschen Mädels und kernigen Jungs aus dem Nachbarland.

2007 wieder ein Fest

Bürgermeister Grillmeier und die beiden Organisatoren des Festes waren sich einig, ein außergewöhnliches Festwochenende erlebt zu haben. Die Vorbereitungen für einen weiteren Festhöhepunkt im kommenden Jahr können beginnen. 2007 feiert die Stadt 75 Jahre Stadterhebung.

Quelle: DER NEUE TAG, 24./25.07.2006
Text: Josef Rosner
Bilder: Christoph Funk, Hubertus Krämer, Josef Rosner, Konrad Rosner u. a.

 

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