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Ein durchweg gelungenes Gastspiel in ihrer alten Heimat absolvierte am
Wochenende die Sopranistin Andrea Artmann bei der Herbstserenade des Arbeitskreises
Heimatpflege. Unterstützt vom Kreismusikschulleiter Jakob Schröder am Flügel lieferte die
gebürtige Mitterteicherin ein begeisterndes Konzert in der mit 120 Besuchern restlos
gefüllten Aula der Grundschule ab.
Dabei bewies die Diplom-Gesangssolistin, die heute im Raum Saarbrücken
wohnt, dass für einen künstlerischen Auftritt nicht immer eine aufwendige Bühnenshow nötig
ist. Konzentriert trat sie im langen, schwarzen Abendkleid neben das Klavier und überzeugte
ohne große Gesten ausschließlich mit ihrer hervorragenden Stimme.
Zu Beginn schlug sie im Liederzyklus "Zigeunerlieder opus 55" von
Antonin Dvorak eher volkstümliche Töne an. Durch wiederholte Wechsel von Dur zu Moll
drückte Artmann gekonnt die Stimmungswechsel der Kompositionen aus. Mal nachdenklich, dann
wieder leicht und fröhlich intonierte sie die komplette Bandbreite der Emotionen von
"himmelhoch jauchzend" bis "zum Tode betrübt".
Die Gabe Artmanns, mit ihrer Stimme Gefühle zu transportieren, kam bei den Werken Robert
Schumanns, die unter dem Titel "Frauenliebe und -leben opus 42" zusammengefasst waren, noch
besser zu Geltung. Aus Anlass des Schumann- Jubiläumsjahres hatte Artmann sich für diese
Liederreihe entschieden. Bewusst hatte sie Momente im Leben einer Frau, wie das
Kennenlernen eines Mannes, die Verlobung oder die Geburt eines Kindes ausgewählt, da sich
vor allem das weibliche Publikum mit diesen Lebensetappen identifizieren kann.
Beim letzten Liederblock aus der Feder von Richard Strauss bewies Andrea
Artmann nochmals ihr ganzes Können. Mit ihrer Stimme erreichte sie Höhen, die einem
Großteil der Bevölkerung ewig verwehrt bleiben, trifft dabei auf beeindruckende Weise aber
stets punktgenau die Töne.
Dies galt im Übrigen auch für Jakob Schröder am Flügel. Gerade bei den
eher orchestralen Strauss-Stücken flogen seine Finger treffsicher über die Tasten. Man
merkte Artmann und Schröder nicht an, dass wenige Proben für das Einstudieren des
Gesangsabends genügen mussten. Mit lang anhaltendem Applaus verabschiedete das Publikum die
beiden Künstler.
Arbeitskreis-Vorsitzender Werner Männer war voll des Lobes: "Wir durften
einen tollen und wahrscheinlich seltenen Abend erleben, denn wer weiß, wann Andrea das
nächste Mal in der Region auftreten wird." Auch die Zuschauerzahl wertete er als vollen
Erfolg.
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