Startseite

Der Arbeitskreis

Projekte

Persönlichkeiten

Surftipps

Impressum

Italienische Renaissance aus Mitterteich

Es war der besondere Ehrenabend für einen gebürtigen Mitterteicher Künstler, den man in seiner Heimatstadt kaum kannte. Vor 100 Jahren verstarb in München der international anerkannte Bildhauer Thomas Dennerlein. Manfred Knedlik stellte im Rathaussaal den geladenen Gästen das Leben und die Werke Dennerleins in einem Referat vor.

"Eine ausdrückliche Würdigung seines künstlerischen Ausdrucksvermögens ist bislang unterblieben. Den Hauptgrund für die Unbekanntheit Dennerleins dürfte aber das weitgehende Fehlen von ‚Anschauungsobjekten' - als Folge der Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges - bilden", schreibt Autor Manfred Knedlik im Vorwort zur Biographie des gebürtigen Mitterteichers, die nach seinen Worten "der Versuch einer ersten objektiven Bestandsaufnahme" sein und "als Einladung zu weiteren ‚Erkundigungen' von Dennerleins künstlerischer Physiognomie" zu verstehen sein soll.

Tatsächlich stellte sich bisher wohl vielen Mitterteicher Bürgern die Frage, wer denn dieser Thomas Dennerlein, dem am Cheddletonring sogar ein Platz gewidmet ist, eigentlich war. Für Bürgermeister Roland Grillmeier ein Grund, der Mitterteicher Geschichte im Allgemeinen, und der Geschichte Dennerleins im Besonderen auf den  Grund zu gehen. Mit Manfred Knedlik fand er nicht nur einen fundierten Geschichtsforscher, sondern einen Autor, der sich als Verlagslektor des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg und in weiteren Arbeitskreisen und Gremien unter anderem der Erforschung der Geschichte seiner Heimatstadt angenommen hat. "Die Jüngeren wissen schon nicht mehr, was in Mitterteich alles passiert ist. Mitterteich hat einiges vorzuweisen", meinte das Stadtoberhaupt bei der Eröffnung des Ehrenabends. Unter Mithilfe des Arbeitskreises Heimatpflege organisierte die Stadt daher einen besonderen Abend für Thomas Dennerlein. Die Sparkassenstiftung des Landkreises Tirschenreuth, die Bayerische Volksstiftung und die Ernst-Pietsch-Stiftung halfen, die gesammelten Erkenntnisse in einer Schriftenreihe der Stadt Mitterteich zusammen zu fassen, deren erster Band nun das Leben und Wirken Dennerleins aufzeigt.

Thomas Dennerlein kam am 27. Januar 1847 als viertes Kind des Lehrers und Kantors Adam Dennerlein, der laut Knedlik der erste Chronist Mitterteichs war, zur Welt. Von 1859 bis 1864 besuchte er mit einem staatlichen Stipendium die "Zeichnungs- und Modellierungsschule", die spätere Kunstgewerbeschule, in München. Seiner künstlerischen Bildung dienten weiterhin mehrere Studienreisen nach Italien. Sein persönliches Ziel, so Knedlik, sei es gewesen, "in der Kunst möglichst viel zu erreichen und sich auszubilden". Dennerlein brachte es tatsächlich in der Gesellschaft und in Kunstkreises zu hohem Ansehen, was ihm 1883 die Aufnahme ins Zentral-Komitee der III. Internationalen Kunstausstellung in München bescherte, 1893 die Aufgabe des Jury-Obmanns bei der Jahresausstellung der Münchener Künstlergenossenschaft eintrug, drei Jahre später die Verleihung des Verdienstordens vom Hl. Michael und 1998 schließlich die Ernennung zum Königlichen Professor. Ab 1901 galt er mit seiner Aufnahme in das künstlerische Sachverständigenverzeichnis als anerkannte Autorität für griechische Antike, italienischer Renaissance und der Formensprache des Barock. Vor 100 Jahren, am 24. Januar 1903, verstarb er in München. Obwohl Dennerlein in seinen frühen Künstlerjahren auch mit kunstgewerblichen Entwürfen für Schmuck, Tafelaufsätze, üppig dekorierte Porzellane und Pokale, prunkvolle Leuchter, Uhren und reich mit Schnitzereien verzierte Möbel hervortrat, sind laut Knedlik nur noch zwei seiner Werke überliefert. Vor allem im zweiten Weltkrieg wurde in München durch Bomben alles zerstört. Das Glück für die Nachwelt ist die Tatsache, daß auf historischen Fotografien viele der Werke zu sehen sind. In der Ausstellung im Foyer des alten Rathauses hatten Mitterteicher Einwohner und interessierte Besucher am Wochenende zwei Tage lang Gelegenheit, die Fotos zu begutachten und die Biographie von Thomas Dennerlein, den "Bildhauer des Historiums in Bayern" zu erwerben.

Den würdigen Rahmen des Ehrenabends schufen die "Mitterteicher Nachtwächter", die italienische Madrigale und Werke aus der Lebenszeit Thomas Dennerleins vortrugen. Für Erhard Sommer, einen der beiden Vorsitzenden des Arbeitskreises Heimatpflege, war es eine gelungene Veranstaltung. Durch Gespräche mit Mitterteichern erfuhr er unter anderem, daß am hinteren Kirchplatz die erste Schule Mitterteichs stand, in der die Familie Dennerlein wohnte. "So schließt sich manchmal auf wunderbare Weise der Kreis", sagte Sommer.

Text: Hubert Laubert, Bilder: Hubertus Krämer, Hubert Laubert

 

Die Mitterteicher Nachtwächter, ausnahmsweise in "Konzertkleidung" des 21. Jahrhunderts, hatten für diesen Abend thematische Werke ausgewählt und neu einstudiert.

Zum Frühlingsanfang (21. März) begannen sie deshalb mit dem "Frühlingsgruß" von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) in einer Bearbeitung für drei Stimmen von Hubertus Krämer. Mendelssohns Todesjahr ist gleichzeitig Dennerleins Geburtsjahr.

Das folgende Madrigal "Imitazione del veneziano" von Orazio Vecchi (1550-1605) spannte den Bogen zu den Werken Dennerleins und seiner Vorliebe für die italienische Renaissance.

Zum Abschluss schließlich eines der schönsten Liebeslieder des 16. Jahrhunderts: "Come Again!" von John Dowland (1562-1626) in der Besetzung mit Bariton (Hans Possehn) in der Melodiestimme, Countertenor (Hubertus Krämer), Tenor (Reinhard Rögner) und Bass (Albert Prommersberger).

 

 

 

 

 

Copyright © 2015 Arbeitskreis Heimatpflege Mitterteich