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MITTERTEICH - Nein, wie tief im Wald kommt man sich wirklich nicht vor
in der Ausstellung "Deep in the Forest", die derzeit im Kunstzentrum Mitterteich zu sehen
ist. Im Gegenteil: Licht und großzügig ist der wunderbare Schau-Raum, der nicht nur den
Künstlern Platz für ihre Arbeiten lässt, sondern auch der Kunst die Möglichkeit, ihre
Wirkung zu entfalten.
Und diese Wirkung ist beachtlich. Das Hauptaugenmerk ziehen wie zufällig
im Raum verstreute Fragmente auf sich. Sie bilden das Objekt "Monolith" des 1976 in
Mitterteich geborenen Künstlers Matthias Männer. Ein Steinbrocken, so scheint es, wurde in
sechs Teile zerschnitten. Allerdings, und das ist bezeichnend für diese Arbeiten Männers,
nur virtuell. Ein Computer hat die Schnittstellen an einem fiktiven Findling berechnet, und
die Teile wurden aus Styrodur, einem sehr leichten Material, nachgeformt und bemalt- so
dass sie zusammengesetzt wieder den Monolith bilden. Auf diese Weise wird die Natur durch
die Technik bestimmt und somit ad absurdum geführt.
Ähnliches geschieht in den Bildern Männers. Naturansichten sind es
durchweg, die die Beeinträchtigungen unseres Lebensraumes durch Technik thematisieren: Da
gibt es ein "Weißes Loch", das einen ganzen Wald einzusaugen droht, eine "Brücke", die die
Landschaft zerschneidet, oder das Bild "Wolkenfabrik und Mann mit Borderline-Syndrom". Auch
die Maltechnik - Lackfarbe, die aquarellartig auf Hartfaserplatte aufgetragen ist - betont
die (Zweck-)Entfremdung. Dass sich Männer bei diesen Bildern ausschließlich im mittleren
Format bewegt, unterstreicht die Wirkung noch.
Mal kleinformatig und dann wieder riesengroß sind die Arbeiten, die
Motoko Dobashi mit nach Mitterteich gebracht hat. Die 1976 in Tokushima/Japan geborene
Künstlerin lebt seit sechs Jahren in Deutschland und ist Meisterschülerin von Professor
Markus Oehlen an der Akademie der bildenden Künste in München, wo auch Männer sein Diplom
abgelegt hat. Dobashi zeigt mehrere Kleinformate, in denen sie sich hauptsächlich mit
romantisierten Landschaften beschäftigt: "Felsenturm", "Baum", "Schutzzone". So sind mit
Tusche oder Acryl auf Papier oder auch in Lithografietechnik winzige schwarz-weiße
Fantasiewelten entstanden: Blicke, möglicherweise, in das Innenleben der Künstlerin.
Ihr Hauptwerk in Mitterteich ist jedoch das 14,5 Meter lange und 2,9
Meter hohe Wandbild "Steinwald", das sich in Acryl und Fotokopie auf eine Längswand des
Raumes gebracht hat. Hier hat sich Motoko Dobashi mit hiesigen Einflüssen, speziell mit der
Landschaft beschäftigt, die sie in zarten Blautönen auf die weiße Wand bringt; was jedoch
nicht ausschließt, das sie nicht auch ein paar Elemente - vielleicht Erinnerungen - an ihre
japanische Heimat mit eingearbeitet hat.
Quelle: FRANKENPOST, Juli 2007
Text: Kerstin Starke
Bilder: Kerstin Starke, Werner Männer
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Motoko Dobashi und Matthias Männer vor dem Wandbild „Steinwald“ und inmitten des
zerschnittenen „Monoliths“ im Kunstzentrum Mitterteich
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