Mitterteicher Persönlichkeiten
![]() | Robert Lindig geb. 29. September 1894 in Tettau gest. 26. März 1972 in Mitterteich |
Während seiner Lehrzeit trat Lindig in die Gewerkschaft und die Sozialistische Arbeiter-Jugend ein, über diese kam er 1913 zur SPD. 1933 wurde er kurzzeitig in den Stadtrat von Mitterteich berufen, nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt er dort erneut ein Mandat. 1948 erfolgte seine Wahl zum zweiten Bürgermeister. Ein Jahr später, nach dem plötzlichen Tod des Bürgermeisters Josef Siller, wurde er zu seinem Nachfolger gewählt. 1950 erhielt Lindig auch ein Mandat im Bayerischen Landtag. Diesem gehörte er bis 1966 an, er wurde stets über die Wahlkreisliste Oberpfalz gewählt. Zeitweise war er auch Vorsitzender des SPD-Ortsverbandes Mitterteich. Sein Bürgermeisteramt, in dem er viermal wiedergewählt wurde, legte er mit Ablauf des Jahres 1969 aus gesundheitlichen Gründen nieder.
DER NEUE TAG schrieb 1959 anlässlich der Ernennung zum Ehrenbürger:
Der Stadtrat Mitterteich hielt am Montagabend aus Anlaß des 65. Geburtstages des 1. Bürgermeisters und MdL Robert Lindig, eine Sonder-Festsitzung ab. Zweiter Bürgermeister Hans Ernst eröffnete die Sitzung.
Der Sprecher übermittelte in seiner Festansprache dem Jubilar zunächst die herzlichsten G1ückwünsche der Stadt zum 65. Geburtstag und führte dann weiter aus: "Der Stadtrat hat in seiner Sitzung vom 23. September 1959 den einstimmigen Beschluß gefaßt, seinen 1. Bürgermeister Robert Lindig zum 65. Geburtstag besonders zu ehren und ihm die höchste Auszeichnung, die eine Stadt vergeben kann, nämlich das Ehrenbürgerrecht, zu verleihen.
Hans Ernst umriß sodann den politischen Werdegang des Jubilars, der seit 10 Jahren das Amt des 1. Bürgermeisters ausübt und seit 1950 im Bayerischen Landtag als Abgeordneter tätig ist. Seine Arbeit und sein Streben galten stets dem Wohle der Stadt Mitterteich und seiner Einwohner. Bürgermeister Ernst hob insbesondere die gute Zusammenarbeit des Bürgermeisters mit den Fraktionen des Stadtrates hervor. Ein wesentlicher Erfolg dieser Zusammenarbeit sei auch, daß fast alle wichtigen Beschlüsse des Stadtrates einstimmig gefaßt werden konnten. An besonderen Aufgaben galt es zu lösen: Beseitigung der unzureichenden Wasserversorgung, Bau eines Kanalisationsnetzes, Straßenbau und Straßenneubau, Anlage von Bürgersteigen, 1. Bauabschnitt zum Zentralknabenschulhaus, Feuerlöschgerätehaus mit Wohnhaus, Anschaffung eines Tanklöschfahrzeuges, Beschaffung von Mitteln für den sozialen Wohnungsbau, Erweiterung des elektrischen Stromnetzes, neuzeitliche Straßenleuchten, Einführung der staubfreien Müllabfuhr, Erweiterung des Kriegerdenkmales und nicht zuletzt den Bau der Zentrialkläranlage.Im Anschluß an diese ehrenden Worte überreichte 2. Bürgermeister Hans Ernst dem Jubilar die Urkunde der Ernennung zum Ehrenbürger mit herzlichen Glückwünschen.
Stadtrat Günther Grünig überbrachte die Glückwünsche der SPD-Stadtratsfraktion und überreichte ein Blumengebinde. Für die Fraktion der CSU sprach Stadtrat Dr. Andreas Zehendner Glückwünsche aus und übergab dem Jubilar einen Blumenkorb.
Bürgermeister Robert Lindig dankte dem Stadtrat mit bewegten Worten für diese Ehrung. Er deute diese Ehrung dahin, daß seine Bemühungen als Bürgermeister um die Belange der Stadt und der Bevölkerung zufriedenstellend gewesen seien. Alle Arbeiten aber hätte er nicht alleine meistern können, wenn ihn nicht eine wirklich gute und gesunde Zusammenarbeit innerhalb des Stadtrates unterstützt hätte. Er sagte weiter: „So darf ich auch am heutigen Tage mit Stolz darauf zurückblicken, daß in Mitterteich bisher noch keine Kontroversen innerhalb des Stadtrates auszutragen waren und das ist nicht nur für mich als Bürgermeister, sondern auch für die gesamte Stadt eine Genugtuung. Denn es ist eine Stadtvertretung tätig, die sich der Verantwortung um die Belange der Stadt voll und ganz bewußt ist. Und das erfüllt mich mit Freude und Stolz. Ich weiß nicht, wie ich die mir zuteil gewordene Ehre abdanken soll, doch versichere ich, solange ich meine Gesundheit habe und solange ich dazu in der Lage bin, neben Ihnen in der Stadt mitzuwirken und die Aufgaben zu erfüllen, die mir anvertraut werden."
Im Anschluß an die Stadtratssitzung überbrachte auch das Personal der Stadtverwaltung ihrem „Chef" die herzlichsten Glückwünsche zum Geburtstag in Form eines Geschenkes. Nach der Feierstunde spielte die verstärkte Blaskapelle Mayerhöfer dem Jubilar vor dem Rathaus ein Ständchen.
Quellen: DER NEUE TAG, Ausgabe Stiftland, 1. Oktober 1959, Wikipedia
